impressions Flakturm Arenbergpark
( 12/2006 )
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text one:
text two:
Der 23. Dezember 2006.
 
Ein Tag, an dem Morgen unbedeutend, so unbedeutend ist, dass das einzige,
was Wert hat und für mich greifbar und erfahrbar, nicht planbar ist.
Es geht darum, schnelle Entscheidungen zu treffen.
Geld rinnt mir durch die Finger. Nichts leichter als das.
Heimat hat eine neue Farbe bekommen, ist in ein neues Licht getaucht.
Das Streben nach einem perfekten Ort, meinem zu Hause, habe ich  abgestriffen,
wie eine alte Haut.
Ich habe nichts zu beklagen, ich treibe mit dem Fluss der Zeit.
Und so treibe ich in Richtung Flakturm im 3. Wiener Gemeindebezirk, Arenbergpark.
am 23. Dezember 2006 um 15:00 Uhr.
A  Ich gehe durch die Räume hier und begreife es nicht.
 
B  Begreifst was nicht?
 
Ich gehe auf diesem Boden, sehe Trümmer, Löcher in den Wänden und Drähte,
    die aus dem Gemäuer und dem Beton herauswachsen.
B  Traforaum.
 
A  Ich verstehe nicht, waren da viele Menschen? Damals.
    Was waren das für Menschen, die hier ein und ausgegangen sind?
    Damals, zu einer Zeit, an die ich mich nicht erinnern kann.
    Damals war ich noch nicht hier.
    Und trotzdem ist es mir möglich dieses Relikt zu betreten.
    Ja, es handelt sich hier um ein Gebäude, aus einer Zeit, die ich zu verstehen
    versuche, ein Monumentales Bauwerk. Das ist, was es hätte werden sollen.
    Es gibt Pläne, die besagen, dass nach dem Sieg diese riesigen Trümmer zur
    Gänze in Marmor gekleidet werden sollten.
    Was für ein Sieg wäre das gewesen?
    Zum Glück bewege ich mich hier zwischen Mauern, aus denen braune zähe
    Flüssigkeit hervorquillt, Larvenhüllen kleben an den Wänden und schaue ich
    gegen das Licht des Videoprojektors, so sehe ich, ich sollte mir ja nichteinbilden,
    dass diese Luft hier auch nur anteilhaft sauber sein könnte.
 
B  Zum Glück.
 
Ich war dreimal hintereinander hier.
Heute geben mir all die Installationen Erinnerung an dieses Gebäude.
Ich kann mich erinnern, mit wem ich das letzte Mal vor dieser Fichte stand.
Da liegt ein Stück Papier zwischen den Blättern, das besagt „Bitte kein Feuer, entflammbar“. Und ich weiss noch: Mit meiner Zigarette in der Hand, dachte ich mir: „Mhmmm, wieso nicht alles abfackeln?“. Einfach so, einfach so …
Ich erinnere mich an meine Assoziationen und die Gespräche, die ich hier führte.
Letzte Woche und die Woche davor.
Wären all diese Bilder nicht hier, dann hätte ich hier auch keine Erinnerungen.
Woran sollte ich mich denn sonst festhalten?
An den Mauern, den glatten, den rauen, dem Schmutz in der Luft, oder an den Stromleitungen?
Wäre der Fall dieser:
Käme ich hier her, zum dritten Mal, nächtens, der dritte Samstag in Folge, und wären all diese Installationen weggenommen worden, die Räume wären wieder so leer, wie sie es die letzten Jahrzehnte waren, dann hätte ich nichts mehr zum festhalten.
Ich könnte rekonstruieren.
Aber wozu?

Über: David Voggenhuber. 

An dem Abend, an dem ich den Flakturm betrat, um dort ein Stück seiner Vergangenheit in mich aufzunehmen, um dieses Stück kurz darauf wieder abzugeben, gesprochen, gesungen, geschrieben, gespielt, da trieb es mich später in die Stockwerke unterhalb jenes Stockwerkes in dem ich mich sehr lange aufhielt. Ich glaube es war das 6. Stockwerk, aber ich habe den Überblick verloren.

Es trieb mich durch Gänge, ich schaute in viele Zimmer, in gewisser Weise hatte ich Zeit.

Ich ließ mich rückwärts fallen, verlor Steife, sammelte Dreck in meiner Kleidung, auf meinem Gesicht, in meinen Haaren, atmete die Luft und trank das Bier.

Nicht nur, dass ich schwarz und weiss im Spiel miteinander und gegeneinander von vornherein gerne hatte, nein auch fand ich mich wieder neugierig für den Ausdruck einzelner Gesichter.

Jedes Gesicht zeigt momentanes, malerisch festgehalten, entsteht die Möglichkeit verschiedene Gesichter und Absichten, die dahinter verborgen sein können, willkürlich miteinander zu kombinieren. Ein Spiel. Ein Einblick. Eine Situation die viele verschiedene Entwicklungsmöglichkeiten bietet. Eine Situation, in der es keinen Protagonisten zu geben scheint.

Genau aus diesem Grund setze ich mich hier gerne auf diesen alten Ohrensessel, stelle mein Bier auf diesem Hocker ab, ich habe in diesem Gebäude der Getriebenen einen Platz zum Verweilen gefunden. Auch aus diesem Grund:

Normalerweise, oder sehr oft, nicht selten, laufe ich durch die Strassen Wien’s, um den Zustand der Stadt aus den vielen Gesichtern, die mir begegnen, zu erhaschen. Ich muss wissen, was passiert.

Und diese Bilder hier, vor denen ich jetzt sitze, stellen viele mögliche Befindungen dar, ihr Darlegen ist aber auf keinen Fall verletzend.

Sie geben ganz einfach Zeit betrachtet zu werden.

Flakturm, Arenbergpark am 15.12.2006, wp

 

 

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all photographs copyright © 2007 Markus Schieder photography